keine ruhe mehr hören
Wohlauf

Keine Ruhe mehr hören

Es pfeift, es klingelt, es rauscht – und es kann sehr belasten. Etwa 10 Prozent der Bevöl­kerung erleben irgendwann in ihrem Leben Ohrge­räusche. Oft wird der Tinnitus nach einem Weilchen kaum noch wahrge­nommen, manchmal entsteht daraus aber eine erheb­liche Beein­träch­tigung.

Wissen­schaftler aus Mainz und dem schwe­di­schen Linköping unter­suchen nun, wie den Betrof­fenen mit einem Selbst­hil­fe­training via Internet geholfen werden kann. Inter­es­senten können ab April an der Studie teilnehmen.

Die beiden Forschungs­partner – die Abtei­lungen für Klinische Psycho­logie der Univer­si­täten in Mainz (Leiter Prof. Dr. Wolfgang Hiller) und in Linköping (Leiter Prof. Gerhard Andersson) – gehören zu den führenden Forschungs­ein­rich­tungen im Bereich Tinnitus und verfügen über langjährige Erfah­rungen und Expertise in der Erfor­schung neuer Behand­lungs­an­sätze. Bei der Behandlung des chroni­schen Tinnitus geht es nicht um die Heilung des Tinnitus, sondern vielmehr um eine bessere Bewäl­tigung der Ohrge­räusche.

Wenige ambulante Psycho­the­ra­pie­plätze
Verschiedene psycho­the­ra­peu­tische Ansätze zur Verrin­gerung der Tinni­tus­be­lastung wurden bereits entwi­ckelt und deren Wirksamkeit konnte in wissen­schaft­lichen Studien nachge­wiesen werden. Dennoch erhalten viele Tinni­tus­be­troffene keine solche psycho­the­ra­peu­tische Behandlung, was langfristig zu einer weiteren Verstärkung der Tinni­tus­be­lastung beitragen kann. Gründe für die fehlende Behandlung liegen vor allem darin, dass insgesamt sehr wenige ambulante Psycho­the­ra­pie­plätze für Tinni­tus­be­troffene zur Verfügung stehen. Gerade in ländlichen Regionen sind im ambulanten Bereich entweder gar keine Psycho­the­ra­pie­plätze vorhanden oder es muss mit extrem langen Warte­zeiten gerechnet werden. Diese Zugangs­schwie­rig­keiten zu ambulanter Psycho­the­rapie zeigen sich jedoch nicht nur in Deutschland, sondern gleicher­maßen in anderen Ländern, was mit zur Entwicklung von inter­net­ba­sierten Ansätzen zur Behandlung verschie­dener psychi­scher Störungen beigetragen hat. Die Arbeits­gruppe um Prof. Gerhard Andersson von der Univer­sität Linköping ist in der Entwicklung von inter­net­ba­sierten Selbst­hil­fe­an­sätzen führend und konnte ausge­sprochen deutliche Erfolge, aber auch eine hohe Akzeptanz der entwi­ckelten Selbst­hil­fe­pro­gramme bei den Patienten nachweisen.

Verschiedene psycho­the­ra­peu­tische Ansätze zur Verrin­gerung der Tinni­tus­be­lastung wurden bereits entwi­ckelt.

Tinni­tus­be­troffene aus ganz Deutschland haben nun die Möglichkeit, an einer Studie teilzu­nehmen, in der die Wirksamkeit eines solchen inter­net­ba­sierten Selbst­hil­fe­trai­nings zur Verrin­gerung der Tinni­tus­be­lastung unter­sucht wird. Dazu wurde ein in Schweden entwi­ckeltes Behand­lungs­pro­gramm von den Wissen­schaftlern der betei­ligten Abtei­lungen in Mainz und Linköping weiter­ent­wi­ckelt und für den Einsatz in Deutschland angepasst. Die Vorstudien der schwe­di­schen Arbeits­gruppe zeigen, dass Teilnehmer des Programms eine deutliche Verrin­gerung der Tinni­tus­be­lastung erreichen konnten.

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Selbst­hil­fe­training über das Internet
Die gesamte Behandlung basiert auf einem Selbst­hil­fe­training, das über das Internet angeboten wird. Dabei erhalten die Betrof­fenen viele Infor­ma­tionen zu Tinnitus und den damit einher­ge­henden Problemen. In jeder Trainings­woche erlernen die Betrof­fenen Strategien, wie sie besser mit ihrem Tinnitus umgehen können und die tinni­tus­be­dingte Belastung selbst reduzieren können. Das Selbst­hil­fe­training erfordert Eigen­in­itiative des Tinni­tus­be­trof­fenen und selbst­stän­diges, aktives Arbeiten an den eigenen Problemen. Da frühere Studien zeigen konnten, dass Selbst­hil­fe­an­sätze dann am wirkungs­vollsten sind, wenn sie mit regel­mä­ßigen Kontakten mit einem Thera­peuten kombi­niert werden, werden die Studi­en­teil­nehmer über E‑Mail regel­mäßig von einem Thera­peuten betreut und in der Durch­führung des Trainings unter­stützt. Das Selbst­hil­fe­training läuft über circa 10 Wochen und ist für die Teilnehmer kostenfrei. Die Behandlung richtet sich an Tinni­tus­be­troffene, die seit mindestens sechs Monaten Tinnitus haben und sich durch den Tinnitus gestört, belastet und im alltäg­lichen Leben beein­trächtigt fühlen. Betroffene, die an der Studie teilnehmen möchten, erhalten auf der Studien-Website www​.kbt​.info weitere Infor­ma­tionen und können ab sofort dort Ihr Interesse an einer Studi­en­teil­nahme anmelden. Studi­en­leiter sind Dr. Cornelia Weise in Linköping und Prof. Dr. Wolfgang Hiller in Mainz.

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